Drei ERP-Anbieter, drei völlig unterschiedliche Entwicklungen: Oracle hat im vergangenen Geschäftsjahr rund 21.000 Stellen gestrichen, das größte Personalminus der Firmengeschichte, wie unter anderem das Handelsblatt im Juni 2026 berichtete. Der Business-Software-Anbieter Odoo ist im selben Zeitraum dagegen kräftig gewachsen und peilt für 2026 die Marke von 10.000 Mitarbeitenden an, wie das Unternehmen selbst auf der Odoo Experience 2025 in Brüssel bekannt gab. SAP wiederum bewegt sich kaum: Der Personalbestand wuchs laut Konzernzahlen von 107.602 Beschäftigten Ende 2023 auf 111.397 Ende 2025, ein Plus von rund 3,5 % in zwei Jahren. Für Unternehmen, die gerade jeden IT-Euro zweimal umdrehen, ist das mehr als eine Randnotiz aus der Softwarebranche.

Oracle: 21.000 Stellen weniger für die KI-Wende

Oracles Belegschaft schrumpfte zum Stichtag 31. Mai 2026 von rund 162.000 auf etwa 141.000 Vollzeitkräfte, ein Rückgang von rund 13 % innerhalb eines Geschäftsjahres. Für Abfindungen und Restrukturierung setzte der Konzern 1,84 Milliarden US-Dollar an, fast fünfmal so viel wie im Vorjahr mit 374 Millionen US-Dollar. Das freigesetzte Kapital fließt in den massiven Ausbau der KI-Rechenzentren: Oracles Investitionsausgaben stiegen im Geschäftsjahr 2026 auf 55,7 Milliarden US-Dollar, nach 21,2 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Besonders hart traf es laut einer Analyse zu den Oracle-Entlassungen 2026 die Sparten Oracle Health, die Cloud-Infrastruktur (OCI) und die ERP-Beratung selbst. In seinem eigenen Jahresbericht nennt Oracle den zunehmenden Einsatz von KI-Technologien in den eigenen Abläufen explizit als einen Grund für den Stellenabbau.

Odoo: Vom Nischenplayer zum Massenanbieter

Odoo bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung. Laut Auswertung von Revelio Labs wuchs die Belegschaft von rund 3.446 Mitarbeitenden im Jahr 2023 auf etwa 8.135 Anfang 2026, ein Plus von mehr als 130 % in drei Jahren. Auf der Odoo Experience 2025 in Brüssel bezifferte das Unternehmen seine damalige Mitarbeiterzahl auf "fast 7.000" und kündigte an, bis 2026 auf 10.000 Beschäftigte wachsen zu wollen. Parallel dazu meldete Odoo für 2025 eine um 42 % gestiegene wiederkehrende Jahresumsatz-Rate und rechnete mit rund 650 Millionen Euro Abrechnungsvolumen, mit dem erklärten Ziel, bis 2027 die Marke von 1 Milliarde Euro zu erreichen. Ein Nischenanbieter sieht anders aus.

SAP: Stabilität statt Schwung

SAP liegt zahlenmäßig zwischen beiden Extremen, näher an der Stagnation als am Wachstum. Nach Finanzdaten von StockAnalysis schrumpfte die Belegschaft 2023 um 3,89 % auf 107.602 Beschäftigte, bevor sie 2024 um 2,2 % und 2025 nur noch um 1,29 % auf 111.397 Mitarbeitende wuchs. Ein etablierter Marktführer mit tiefer Verankerung im Mittelstand und Konzernkunden muss nicht mit der Dynamik eines Herausforderers wachsen, um relevant zu bleiben. Aber die Zahlen zeigen: Das Wachstum im ERP-Markt findet derzeit nicht bei den etablierten Vollausstattern statt, sondern bei den schlankeren, günstigeren Alternativen.

Was diese Zahlen wirklich bedeuten

Die Entwicklung bei Odoo ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom: Der Markt verlangt nach fähigen, bezahlbaren und schnell einsetzbaren Lösungen statt nach schwergewichtigen, teuren Systemen mit langen Einführungszeiten. Das muss für den Mittelstand aber nicht heißen, das bestehende SAP- oder caniasERP-System durch ein neues ERP zu ersetzen, ein solcher Wechsel ist teuer, riskant und dauert Jahre. Der wirksamere Weg ist oft, dem bestehenden ERP-Kern gezielt schlanke, günstige Portale zur Seite zu stellen, wie wir es bereits im Artikel zu ERP-Lizenzkosten beschrieben haben. Für Kunden, Außendienst oder HR-Self-Service reicht in der Praxis meist ein per API angebundenes Portal, nicht eine weitere Vollzugriffs-Lizenz und erst recht keine komplette Systemablösung.

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Häufige Frage.

Warum baut Oracle massiv Stellen ab, während Odoo stark wächst?

Oracle finanziert den milliardenschweren Ausbau seiner KI-Rechenzentren unter anderem durch Personalabbau und hat dafür laut eigenen Angaben rund 21.000 Stellen gestrichen. Odoo wächst dagegen, weil viele Unternehmen im Sparzwang gezielt nach schneller einsetzbarer, günstigerer Software suchen statt nach schwergewichtigen, teuren ERP-Systemen.

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